Warum Männer Frauen abwerten


Es gibt Männer, die Frauen aufs Übelste beleidigen, beschimpfen oder abwerten, nur weil diese sich feministisch äußern oder für Frauenrechte einsetzen. Die Reaktionen reichen von Spott über Verachtung bis hin zu Hass.

Doch die entscheidende Frage lautet nicht nur: Warum verhalten sich manche Männer so? Sondern vor allem: Was passiert in einem Menschen, dass er so reagiert?

Denn eines ist wichtig zu verstehen: Nicht jede Wut ist automatisch falsch. Nicht jede feministische Position muss jedem gefallen. Menschen dürfen unterschiedliche Meinungen haben. Menschen dürfen laut sein. Emotional sein. Wütend sein. Protestieren. Sich wehren. Gerade wenn Frauen über Gewalt, Demütigung, Machtmissbrauch oder jahrzehntelange Erfahrungen von Respektlosigkeit sprechen, ist es nachvollziehbar, dass dabei auch Wut entsteht. Und trotzdem erleben wir immer wieder, dass manche Männer darauf nicht mit Diskussion reagieren, sondern mit Abwertung. Warum?

Menschen reagieren oft dort aggressiv, wo sie sich innerlich getroffen fühlen. Psychologen beschreiben seit Jahrzehnten ein Phänomen, das man Abwehrreaktion nennt. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihre Überzeugungen oder ihr gewohntes Weltbild infrage gestellt wird – nur weil andere die Welt anders betrachten, reagieren sie häufig nicht mit Offenheit, sondern mit Abwehr. Dann reagieren sie, indem sie die andere Person diskreditieren, beleidigen, angreifen, abwerten oder sogar entwerten. 

Nicht, weil die andere Person zwangsläufig Unrecht hat. Sondern weil die Botschaft etwas im Inneren auslöst. Manche Männer hören aus feministischen Aussagen nicht nur Kritik an gesellschaftlichen Strukturen heraus, sondern empfinden sie unbewusst als persönlichen Angriff:

  • „Ich bin gemeint.“
  • „Ich werde beschuldigt.“
  • „Ich soll mich schuldig fühlen.“
  • „Ich verliere meinen Platz.“
  • „Ich werde nicht mehr gebraucht.“
  • „Meine Art Mann zu sein ist falsch.“


Aus diesem inneren Druck entsteht dann oft spontan und unbewusst eine ablehnende Haltung. Doch hier liegt der entscheidende Punkt: Dass uns etwas triggert, bedeutet nur, dass etwas in uns berührt wurde – nicht automatisch, dass die andere Sichtweise falsch oder gegen uns gerichtet ist.

Wenn wir beginnen, diesen Unterschied zu erkennen, entwickeln wir die Fähigkeit zur Selbstreflexion statt zur vorschnellen Abwehr. Und genau dort beginnt Bewusstheit.

Ein emotional reifer Mensch muss nicht jede Meinung gut finden. Aber er kann andere Meinungen aushalten, ohne Menschen dafür zu entwerten. Denn Respekt zeigt sich nicht darin, wie wir mit Menschen umgehen, die genauso denken wie wir. Respekt zeigt sich darin, wie wir mit Menschen umgehen, die anderer Meinung sind. Oder einfacher gesagt: „Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füge auch keinem anderen zu.“

Wer selbst ernst genommen werden möchte, sollte auch andere ernst nehmen. Wer selbst nicht beleidigt oder abgewertet werden will, sollte andere ebenfalls nicht abwerten.


Das bedeutet nicht, dass man allem zustimmen muss. Es bedeutet nur, dass wir lernen müssen, Unterschiedlichkeit auszuhalten. Denn eine freie Gesellschaft lebt nicht davon, dass alle gleich denken. Sondern davon, dass Menschen friedlich mit Verschiedenheit umgehen können. Dort beginnt echte männliche Stärke: Nicht darin, Frauen niederzumachen oder Menschen wegen ihres Andersseins abzuwerten. Sondern darin, sich selbst besser zu verstehen und innerlich zu wachsen.

Warum wir tun, was wir tun?

Eine Serie über Bewusstheit, Selbstbehauptung und den Umgang miteinander