Warum wir andere Menschen abwerten


Fast jeder Mensch hat schon einmal andere Menschen abgewertet. Manchmal laut. Manchmal still in Gedanken. Manchmal durch Ironie, Spott oder verletzende Worte. Wir bewerten Aussehen. Verhalten. Meinungen. Lebensweisen. Bildung. Status. Politische Ansichten.

Aber warum tun wir das eigentlich?
Denn wenn wir ehrlich sind, wünschen wir uns selbst doch meistens genau das Gegenteil:

  • verstanden werden
  • respektiert werden
  • angenommen werden
  • ernst genommen werden.


Warum fällt es uns dann oft so schwer, anderen genau das ebenfalls zu geben?

Die Antwort liegt häufig nicht im Verhalten des anderen Menschen — sondern in uns selbst. Psychologen wissen heute: Abwertung hat oft weniger mit Überlegenheit zu tun als mit innerer Unsicherheit. Menschen werten andere häufig dann ab, wenn sie sich selbst bedroht fühlen:

  • in ihrem Selbstbild
  • in ihren Überzeugungen
  • in ihrem Status
  • in ihrer Identität
  • oder in ihrem eigenen Wertgefühl.


Abwertung = Schutzmechanismus

Abwertung funktioniert dann wie ein Schutzmechanismus. Wenn ich den anderen klein mache, fühle ich mich selbst kurzfristig größer. Wenn ich andere lächerlich mache, muss ich mich nicht mit meinen eigenen Unsicherheiten beschäftigen. Wenn ich Menschen entwerte, die anders denken oder leben, stabilisiere ich mein eigenes Weltbild.


Das Problem ist nur: Innere Stärke entsteht dadurch nicht. Denn: Wirklich starke Menschen müssen andere nicht kleinmachen. 

Viele Abwertungen entstehen auch aus Angst vor Unterschiedlichkeit. Menschen fühlen sich oft sicherer, wenn andere ähnlich denken, ähnlich leben und ähnliche Werte haben. Wer anders ist, löst manchmal Unsicherheit aus:

  • andere Meinungen
  • andere Lebensmodelle
  • andere politische Ansichten
  • andere Religionen
  • andere Rollenbilder
  • andere Formen zu lieben oder zu leben.


Doch Unterschiedlichkeit ist keine Bedrohung. Sie ist ein normaler Teil menschlicher Gesellschaft. 

Bewusster Umgang mit den eigenen Emotionen

Hinzu kommt etwas weiteres: Viele Menschen haben nie gelernt, mit ihren eigenen Emotionen bewusst umzugehen. Wer sich innerlich verletzt, ohnmächtig oder minderwertig fühlt, reagiert oft unbewusst:

  • aggressiv
  • spöttisch
  • herablassend
  • respektlos.


Manche Menschen merken dabei gar nicht, wie verletzend ihre Worte sein können. Und manchmal steckt hinter besonders harter Abwertung sogar etwas Paradoxes:

  • Neid
  • Bewunderung.
  • oder ein verdrängter eigener Schmerz


Denn das, was uns an anderen extrem triggert, hat oft auch etwas mit uns selbst zu tun.

Vielleicht erinnert uns der andere unbewusst an etwas:

  • an eigene Unsicherheiten
  • an ungelöste Konflikte
  • an verdrängte Sehnsüchte
  • oder an Seiten in uns selbst, die wir nicht anschauen wollen.


Deshalb lohnt sich eine ehrliche Frage: „Warum reagiere ich auf diesen Menschen eigentlich so stark?“ Genau dort beginnt Bewusstheit. Das bedeutet nicht, dass wir alles gut finden müssen. Menschen dürfen unterschiedliche Meinungen haben. Menschen dürfen Grenzen setzen. Menschen dürfen widersprechen.

Bewusstheit

Die sieben Stufen der Bewusstwerdung


Aber es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und Abwertung. Kritik beschäftigt sich mit Verhalten. Abwertung greift den Wert eines Menschen an. Und vielleicht sollten wir uns öfter daran erinnern:

  • jeder Mensch trägt seine Geschichte in sich
  • seine Prägungen
  • seine Verletzungen
  • seine Kämpfe


Wir sehen oft nur das Verhalten. Aber selten den Schmerz dahinter. Der Leitgedanke unseres Handelns sollte daher auch hier sein: "Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füge auch keinem anderen zu." Denn eine respektvollere Gesellschaft beginnt nicht bei den anderen. Sondern bei uns selbst.

Warum wir tun, was wir tun?

Eine Serie über Bewusstheit, Selbstbehauptung und den Umgang miteinander